Hallo, liebe Mitleser!
Ich habe ein kleines Problem: Mein fünfjähriger Sohn kann immer noch nicht malen. Er halt den Stift in der Faust und schmiert ein wildes Kritzelkratzel auf das Papier. Der Kindergarten hat mir nun Ergotherapie empfohlen. Leider hält mein Kinderarzt nichts davon und meinte: Das ist eben ein Junge, spielt eben lieber Fußball. Was mache ich denn nun?

Dankbar für jeden Tipp, spring
Hallo Spring,
ich denke, es wäre schon an der Zeit etwas zur Entwicklung der Stifthaltung zu tun! Vielleicht bittest du die Erzieherinnen einen Bericht bezüglich der Feinmotorik zu schreiben, der dann dem Arzt geschickt wird. Ärzte sehen die Kinder ja nur in Momentaufnahmen und viele sind für diese Hilfe sehr dankbar. Zusätzlich kannst du dich auch an eine Ergotherapeutin wenden und diese nach Rat fragen.
Viel Erfolg!
Hallo Krümel-Monster,
vielen Dank für Deinen Hinweis. Der Kindergarten hat mir tatsächlich einen Bericht geschrieben, den ich an den Kinderarzt weitergeleitet habe. Ich wusste gar nicht, dass das möglich ist.
Weiss jemand, was in der Ergotherapie gemacht wird? Muss ich Zuhause noch Übungen mit ihm durchführen? Ich versuche zwar, meinen Sohn zum Malen zu animieren, aber er ist durch seine Ungeschicklichkeit selbst so frustriert, dass es kaum möglich ist.
Viele Grüße,
spring
huhu
was genau in er ergotherapie gemacht wird, hängt immer vom der problematik ab. normalerweise wird erst mal getestet, wo das problem besteht bzw. dies in vorab auch in einem gespräch geklärt. spielerisch werden dann die betroffenen bereiche gefördert.
normalerweise bekommst du auch tipps, die du zuhause durchführen solltest - denn mit einer stunde in der woche in der praxis wird sich nicht viel ändern. von dem her wirst du auch zuhause üben müssen.
lg
for
Hey, das ist ja super, wieviel Infos ich hier bekomme!
Vielen Dank, for, ich denke auch, dass eine Stunde in der Woche zu wenig ist, um an dem grundlegenden Problem etwas zu ändern. Ich bin schon sehr gespannt auf die Ergo, denn man hört das so oft und ich kann mir bisher nichts richtiges darunter vorstellen. Aber ich bin jetzt doch zuversichtlich, dass mein Sohn sich dadurch weiterentwickeln kann.
Viele Grüße, spring
huhu spring
na dann drück ich euch die daumen, das euer kinderarzt das mitmacht. wenn er sich sträuben sollte, frag ihn doch, ob er wenigstens ein sog. diagnoserezept ausschreibt. dann kann der ergotherapeut deinen sohn testen, schreibt einen bericht von seiner seite aus und der kinderarzt kann noch mal entscheiden, ob es notwendig ist.
und wenn es dich beruhigt: bei uns in der kita haben sehr viele kinder ergotherapie. du stehst nicht alleine da.
Hallo for,
danke, der Kinderarzt hat sich mittlerweile durch den Bericht des Kindergartens überzeugen lassen, dass ein paar Ergotherapie-Stunden doch ganz hilfreich sein könnten. Da mein Sohn bereits zur Logopädin muss (er kann kein "sch" aussprechen), hoffe ich, dass wir den zusätzlichen Termin in unserem Kalender unterbringen können.
Du schreibst, dass bei Euch sehr viele Kinder zur Ergotherapie gehen. Manchmal wundert es mich schon, dass ich und meine früheren Kindergarten-Freunde auch ohne Logo-, Ergo- oder andere Therapien groß und fit für das Erwachsenenleben wurden ...
Lieben Gruß, spring
huhu spring,
du hast recht. früher warens nur 2-3 kinder pro kindergartengruppe die logo/ergo bekommen haben heute sinds fast doppelt so viele.
naja, aber wenn man sich anschaut, in welcher lebensumwelt die heutigen kinder aufwachsen, ist es eigentlich nicht verwunderlich.
früher konnte man z.b. als kind in den wald/wiese/ auf der straße spielen.
man konnte überall hin und konnte seine erfahrungen machen. es gab erwachsene/freunde zu denen man bezug hatte, die sich zeit genommen haben (oma und opa waren damals auch noch mehr in der nähe)
heute gibt es kaum noch spielräume für die kinder, wo sich kinder beweisen können. sie haben kaum mehr zeit für irgendwas, weil alles verplant ist (vormittags wie nachmittags) und sie auch keine zeit haben längerfristig zu spielen da sie ständig unterbrochen werden. ausserdem werden sie meist mit so vielen eindrücken bombadiert - das sie gar keine zeit haben alles zu verarbeiten.
dazu könnte man noch jede menge mehr schreiben.
... aber es wird sich bald ändern...
die standarts, die die kinder mit gewissen alter können müssen werden vermutlich bald herabgesetzt- es kommt für die krankenkassen zu teuer die damaligen standarts zu erhalten bzw. zu erzielen. es sind zu viele spezialtherapien notwendig.
*schulterzuck* is auch ne möglichkeit
lg
for
p.s. schön das es mit der ergo funktioniert hat. ich denk nen termin wirst du schon finden
Hallo for,
oh, da sprichst Du ja ein ganz heißes Eisen an. Woher stammt Deine Vermutung, dass die Standarts nach unten gesetzt werden? Hat Dir das ein Kinderarzt oder jemand von der Krankenkasse erzählt? Meine Befürchtung wäre, dass nur die gesetzlichen Kassen diese Leistungen streichen bzw. altersmäßig nach hinten verschieben und die privaten Kassen es auf Wunsch immer noch bezahlen. Im Moment geht sowieso sehr vieles in Richtung Zwei-Klassen-Kindererziehung: Betuchtere Eltern bringen ihr Kind in den Kindergarten, der einen super Personalschlüssel, zweisprachiges Personal und am besten noch das Erlernen eines Instrumentes anbieten. Der ist dann eben entsprechend teurer als der städtische Kindergarten ums Eck.
Die andere Frage wäre dann, ob es für die Kinder nicht vielleicht sogar besser ist, wenn sie nicht schon im Kindergarten-Alter alle Defizite "weggefördert" werden. Vielleicht sind zwei Stunden freies Spiel ja besser für die Kinder.
Egal, ich/wir versuchen es jetzt mit der Ergo und ich hoffe, dass mein Sohn sich dann mit manchem etwas leichter tut.
Lieber Gruß, spring
Hallo Spring & For,
zuerst einmal finde ich es schön zu lesen, dass Spring`s Sohn nun Ergo bekommen kann. Sicher wird es einige Aufgaben für zu Hause geben, die sind aber meistens problemlos in den Alltag zu übernehmen und manchmal sind es einfach auch Dinge, die einem nur wieder richtig bewusst gemacht werden.
Zur anderen Diskussion möchte ich schreiben, dass ich meine, dass unsere Gesellschaft das Problem ist. Insgesamt ist alles sehr defizitorientiert geworden, jeder sieht nur noch, was nicht funktioniert und selten gibt es noch jemanden, der erstmal das Positive bemerkt. Wenn sich diese Sicht verändern liese, dann könnte ich mir schon vorstellen, dass sich diesbezüglich auch etwas ändern würde.
Und ohne einem Therapeuten oder Arzt zu nahe treten zu wollen, möchte ich doch mal eine Frage in den Raum werfen:
Welcher Therapeut oder Arzt hat ein ernstes Interesse daran, seine Patienten zu heilen? Denn wenn alle dann "gesund" wären, wären sie arbeitslos.